Kleine Kirmes beendet „5. Jahreszeit“ in Nazza
Die Burschenkirmes in Nazza lebt von ihren großen Traditionen, hat aber auch Neues zu bieten.
Mit dem Anblasen am „Gelage“ - der Gaststätte „Zur Haineck“ - geht es wie immer los, doch hier gab es in diesem Jahr schon eine erste Besonderheit. Anlässlich der 450-Jahrfeier der Kirche in Nazza pflanzten die Kirmesburschen zuvor im Pfarrhof einen Baum.
Der Morgensegen wird am Glockenhäuschen um 7:00 Uhr in aller Früh geblasen. Nach dem Festgottesdienst legten die Burschen auf dem Friedhof einen Kranz zu Ehren der verstorbenen Kameraden nieder, eine weitere Neuigkeit, die zur Tradition werden kann. Beim Kuchenmarsch am Samstag können sich die Mädchen wie sonst auch ihre Eintrittskarte für den Tanzabend im Festzelt „erbacken“. Am Sonntagmorgen wird zunächst die Fahne beim Oberjunggesellen, diesmal Andreas Wiegand, geholt und ihm und dem Elternhaus in der ersten „Gesundheit“ des Tages die wohlverdiente Ehre dargebracht. Die Morgenreden der Husaren Sebastian Fischer, Christian Stephan und Christian Lintz wurden auf dem Schloßhof von den Nazzaern und ihren Gästen aufmerksam verfolgt. Anschließend geht es in den Nazzaer Grund zum Wettreiten, gewonnen hat in diesem Jahr Markus Stephan auf „Koran“. Es folgen die Gesundheiten zu Pferde und das Verlesen der Kirmesliste, in der Streiche der Burschen und Mädchen, aber manchmal auch Missgeschicke der Nazzaer aufs Korn genommen werden. Die letzte „Gesundheit“ bekommt der 2.Platzmeister. Marco Rimpel empfing die Burschenschar vor seinem Haus in der „Ziegengasse“. Mit Spannung erwartet wird am Nachmittag im Festzelt das „Vorreih`n-Tanzen“ – der Tanz unter der Fahne! Welcher Bursche sucht sich welche Partnerin aus und welches Mädchen muss einen Zweiten oder gar Dritten traditionsgemäß zum Abendbrot mit nach Hause nehmen?
Die ganze Woche über feiern die Burschen weiter! Da gibt es den auch schon für viele nicht mehr wegzudenkenden Frühschoppen mit der Kirmes-Big-Band am Montagvormittag, den „Kirmes-Gag“ der Burschen am Ende des Tanzabends, in diesem Jahr ein oberbayerisches Abendessen mit den Kirmeslisten- und Gesundheitenschreibern am Dienstag, den Bettelmarsch am Mittwoch, das Kamel am Donnerstag, die Kutschfahrt durch den Hainich am Freitag und nicht zu vergessen den Kusswalzer am Abend. Mit dem Abblasen und dem Vergraben der Flasche mit einer Liste der Namen aller Burschen endet die Kirmeswoche.
Doch erst der Kirmesabtanz beschließt die Feierlichkeiten der 5. Jahreszeit in Nazza so richtig. Zum Kindertanz am Nachmittag wird der neue 2. Platzmeister „angetanzt“. Zum wohl in Nazza bekanntesten Walzer – Gold und Silber – wurde beim Tanz unter der Fahne als neuer Vizejunggeselle Marcus Fischer ernannt. Wenn dann am Abend der erste Husar die „Beerdigungspredigt für die Schnapsleiche“ gehalten hat, ist dann endgültig Schluss – bis zum nächste Jahr!
Einer besonderen Herausforderung stellten sich am Samstagmittag mit Matthias Stephan, Georg Koch, Achim Stephan, Artus Gläßner, Dominik Herold und Gunnar Langner sechs ehemalige Kirmesburschen und Kati Herold als einzige weibliche Teilnehmerin. Beim 1. Nazzaer Veteranenrennen nahmen sie, wie drei Wochen zuvor die aktuellen Kirmesburschen, die Rennstrecke im Nazzaer Grund unter die Hufe ihrer Pferde. Als Sieger ritt Gunnar Langner unter großem Jubel, auch seines Mitorganisators Dominik Herold, durchs Ziel. Dritter wurde Artus Gläßner. Alle erreichten wohlbehalten und auch etwas stolz, dabei gewesen zu sein, das Ziel. Im nächsten Jahr ist in jedem Fall eine Wiederholung des Wettreitens der Ehemaligen geplant, auch hier kann sich eine neue Tradition entwickeln.