Grenzwanderung in der Nazzaer Flur

Nazza, den 06.05.2019

Die Interessengruppe Historische Grenzsteine lud am 27. April 2019 zu einer Grenzwanderung ein. Die Initiatoren und Interessenten trafen sich an der Straße nach Wernershausen. Die historische Grenze ist an dieser Stelle durch die Zuordnung von Wernershausen (Flur 34) zur Nazzaer Gemarkung im Jahr 1968 zur bloßen Flurgrenze geworden.

Bis zum Dreiherrnstein mit den eingemeißelten Großbuchstaben HSG, SWE und KP (Herzogtum Sachsen-Gotha, Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach und Königreich Preußen) verläuft die historische Grenze HSG-SWE (jetzt Gemarkungsgrenze Nazza zu Mihla) teils durch dichtes Unterholz. So kam es, dass plötzlich und unerwartet ein wildes Schwein samt ihren Kindern unseren Weg kreuzte. Am Dreiherrnstein entstand das Foto der Wandergruppe (von rechts: Eberhard Hauschild (Kammerforst), Bernd Warzecha (Hahnroda), Gerald Gräbedünkel (Kammerforst); Bernd Fischer, Hartmut Wiegand und Reinhard Wiegand (alle Nazza)).

Die Wanderung führte weiter entlang der ehemals Königlich-Preußischen Landesgrenze (HSG-KP). Örtlich ist der Grenzverlauf an einer Geländekante auf dem meist ebenen Plateau des Hainichwaldes zu erkennen. Ein Teppich aus Bärlauch lag zu unseren Füßen. Oft sind hier die Grenzsteine paarweise anzutreffen. Neben den Landesgrenzsteinen (nach 1815) steht in diesen Fällen ein älterer Stein mit abgerundetem Kopf, der den Besitz von Adelsgeschlechtern anzeigte, wie den in Nazza ansässigen Herren von Hopffgarten. Kammerforst (frühere Schreibweise: Cammerforst) und Oppershausen sind unmittelbare Nachbargemarkungen im Bereich des Rennstieges. Der inzwischen gut ausgeschilderte Rennstieg ist nicht nur bei Wanderern beliebt. Auf ausgebauten und erlaubten Abschnitten des Hainich-Höhenweges begegnet man zunehmend auch Radtouristen.

Zwischen den Steinen Nr. 27 und 28 (alle Stein sind fortlaufend nummeriert) kreuzt der sog. „Nazzaer Weg“, aus Oppershausen kommend, den Grenzverlauf. Die Grenzsteine Nr. 18 bis 13 liegen direkt am Rennstieg / Hainichlandweg. Stein Nr. 13, an dieser Stelle knickt der Grenzverlauf spitzwinklig ins Tal, ist leider in abgebrochenem Zustand vorgefunden worden.

Zum Glück sind in nur wenigen Fällen Schäden festgestellt worden. Diese zu beheben ist nämlich eine aufwändige Prozedur. Vielmehr ist es Bürgerpflicht, die Grenzsteine zu achten und zu schützen. Auch Schäden durch Forstwirtschaft sind nicht zu akzeptieren. Die Initiatoren werden deshalb auch künftig ein wachsames Auge auf den Erhalt der Steine haben.

An der Landstraße nach Langula / Mühlhausen angekommen, sind auf der Westseite der Straße guterhaltene Grenzsteine mit der Aufschrift „G“ und „P“ (Gotha und Preußen) zu sehen. Der ständige Straßenverkehr lässt jedoch ein gefahrloses Betrachten nicht zu. Zum Schluss der Grenztour konnte ein Grenzstein am Waldweg im Mühlhäuser Tal unversehrt wiederentdeckt werden. Die genaue Lage dieses Steines wurde im Februar 2016 mit behördlicher Vermessung festgestellt, nachdem durch Waldarbeiten der Stein herausgerissen war. Die Interessengruppe hatte mit viel Aufwand und mit einfacher, doch wirkungsvoller Technik diesen Stein dann lagerichtig eingebracht .

Dies gibt Hoffnung, dass die „Zeugen aus Stein“ auch unseren Kindern und Enkeln als Denkmale und Eigentumsmarken erhalten bleiben.

Auf dem Rückweg durch die Feldflur nach Nazza führte uns die Wanderung am Lämpertsbach vorbei. Der alte, meist geschlängelte Bachlauf war am Bewuchs und nach den Aussagen von Hartmut Wiegand nachzuvollziehen. Ortschronist Gerald Gräbedünkel wusste, dass der Name „Lämpertsbach“ von der Kreuzung der Landwehr (Befestigungsanlagen) mit dem Bachlauf herrührt

 

Gerald Heilwagen

IG Historische Grenzsteine Nazza

 

Foto: Wandergruppe am Dreiherrnstein; Foto: G. Heilwagen